Desinformation

Desinformation

Was ist Desinformation?

Unter Desinformation oder den sog. Fake News versteht man das bewusste Verbreiten von falschen oder irreführenden Meldungen. Oftmals werden reißerisch-plakative Schlagzeilen, Bildmontagen und verfälschte Behauptungen dazu genutzt, um Lügen und Propaganda in den Medien zu verbreiten. Die Gefahr der Desinformation liegt darin, dass sie oftmals wie echte Nachrichten wirken. Besonders seit der Präsidentschaftswahl in den USA im Jahr 2016 ist das Phänomen v.a. in den sozialen Medien immer sichtbarer geworden. Das Collins Dictionary kürte den Begriff „Fake News“ beispielsweise zum Wort des Jahres 2017, seit 2016 stieg die Verwendung des Wortes um 365%.

Wieso gibt es Desinformation?

Desinformation bzw. Fake News sollen vor allem die Aufmerksamkeit der Leser*innen und Zuschauer*innen erregen. Insbesondere im Internet erhoffen sich die Verfasser*innen viele Klicks und Weiterleitungen, z.B. um politische Hetze zu betreiben. Teilweise nutzen Kriminelle Desinformation und Fake News für Betrügereien, in anderen Fällen enthalten die Links zu den Nachrichten Computer-Viren, um Daten auszuspähen.

Wieso ist Desinformation gefährlich?

Die Gefahren von Desinformation sind vielfältig. Neben den weitreichenden Folgen, die die ungezügelte Verbreitung von Falschmeldungen haben kann, bergen die Falschnachrichten auch Risiken für den bzw. die Einzelne*n. In manchen Fällen enthalten die Links zu Desinformation und Fake News Viren, durch die sogenanntes „Phishing“, also das Ausspähen und Missbrauchen von Nutzer*innendaten, betrieben werden kann. Besonders zu Zeiten von Wahlkämpfen häufen sich Falschmeldungen über Politiker*innen. Sie sind dazu da, um durch Hetze, Stimmungsmache oder erfundene Skandale die Entwicklungen in der Politik nachhaltig zu manipulieren und einzelne Politiker*innen oder ganze Parteien sowie deren Glaubwürdigkeit zu schwächen.

So deutete z.B. das rechte US-Nachrichtenportal „Breitbart“ 2017 kurzerhand den Bericht der Dortmunder Tageszeitung Ruhr Nachrichten über die Silvesternacht in der Innenstadt zu einer beängstigenden Bilanz um. Demnach hätte angeblich ein „1000-Mann-Mob“, hauptsächlich bestehend aus „nordafrikanischen und syrischen Geflüchteten“, die Reinoldikirche, „Deutschlands älteste Kirche“, in Brand gesetzt. Der Bericht sorgte für großes Aufsehen, besonders außerhalb von Deutschland. So übernahm die österreichische „Wochenblick“ kurz darauf den Artikel mit der deutschen Überschrift „Silvester in Dortmund: ‚Allahu Akbar‘ und Kirchenbrand“. Den Reporter der Ruhrnachrichten, der den ursprünglichen Bericht verfasst hatte, erreichten per Twitter Fotos von Galgen und Mordaufrufen an Angela Merkel („Wo ist der 100.000-Mann-Mob, der die verräterische Angela Merkel lyncht?“). Hier zeigt sich, wie aus einer „einfachen Falschmeldung“ durch das Schneeballprinzip schnell Hass und falsche Anschuldigungen entstehen können.

EU-Expert*innengruppe zur Desinformation

Seit Anfang des Jahres 2018 gibt es eine Expert*innengruppe mit 39 Vertreter*innen aus den Bereichen der Wissenschaft, Online-Plattformen, Nachrichtenmedien und Organisationen der Zivilgesellschaft zur Eindämmung von Online-Desinformationen. Das Team der EU-Kommission setzt sich aus internationalen Expert*innen zusammen, darunter auch zwei deutsche Vertreter*innen: Kai Gniffke von der ARD und Sonja Schwetje von der RTL Group. Zur Bekämpfung von Fake News bzw. Desinformation fordert die Gruppe die Offenlegung der Funktionsweisen von Algorithmen in sozialen Netzwerken, die Öffnung von Informationsbeständen sowie die Förderung der Medienkompetenz der Nutzer*innen.

Kampagne „EU vs. Disinformation“

Die Kampagne zum Umgang mit kremlfreundlicher Desinformation wird von der East StratCom Task Force im Europäischen Auswärtigen Dienst durchgeführt. Sie wurde gegründet, nachdem die Staats- und Regierungschef*innen die Notwendigkeit betonten, Russlands laufenden Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. Ziel der Task Force ist es, die Politik und die Aktivitäten der EU in Osteuropa und Russland zu kommunizieren und dort ansässige regierungsunabhängige Medien zu unterstützen. Darüber hinaus werden auf der Website der „EU Mythbusters“ Artikel veröffentlicht, die Desinformation russischer Trolle aufdecken und mit Beweisen bzw. Fakten deren Falschheit belegen.

EU-Mythen

Auch die EU als Solidargemeinschaft selbst fällt immer wieder Desinformation bzw. Fake News zum Opfer. Besonders beliebt sind die folgenden fünf Mythen, welche jedoch schnell durch Fakten widerlegt werden können.

  1. Die Verwaltung verschlingt einen Großteil der EU-Ausgaben: Falsch. Die Kosten für die Verwaltung in der EU betragen in etwa sechs Prozent des gesamten Haushalts. Die Zahlen werden öffentlich gemacht und können von allen Bürger*innen nachgelesen werden.

  2. Die EU bringt „Made in Germany“ in Gefahr: Ganz im Gegenteil. Die Kommission möchte das Label stärken und in der gesamten EU rechtlich besser schützen. Dies geht aus einem Gesetzespaket mit Vorschlägen zur Produktsicherheit hervor, welches im Februar 2013 vorgelegt wurde. Dadurch soll lediglich sichergegangen werden, dass ein Produkt, welches das Label „Made in Germany“ trägt, auch tatsächlich in Deutschland hergestellt wurde.

  3. Deutschland ist der größte Nettozahler der EU: Ja und Nein. Deutschland zahlte zwar im Jahr 2015 netto 14,3 Milliarden Euro an die EU und liegt somit auf Platz 1 der Nettozahler. Pro Einwohner*in gerechnet zahlen jedoch Schweden und die Niederlande am meisten. Ferner profitiert Deutschland am meisten vom EU-Binnenmarkt: Fast zwei Drittel aller Exporte gehen in andere EU-Länder.

  4. Die EU ist eine Diktatur und Brüssel der Diktator: Falsch. Die Politik der EU beruht auf dem Subsidiaritätsprinzip. Das bedeutet, dass sie nur in den Bereichen eingreift, in denen die Mitgliedstaaten ihr Ziel alleine nicht so gut erreichen können wie auf EU-Ebene. Damit die Kommission mitbestimmen kann, müssen ihr von den Mitgliedstaaten zudem vorher nationale Souveränitätsrechte übertragen werden. Als größte und wirtschaftlich stärkste Nation hat Deutschland bei der Entscheidungsfindung ein besonderes Gewicht. Um seine Interessen besonders effizient zu vertreten, organisiert es sich Bündnispartner, und wird so im Rat nur selten überstimmt. Zudem ist der Europäische Rat, in dem die Staats- und Regierungschef*innen der EU-Mitgliedstaaten sitzen, in alle Entscheidungsfindungen involviert und bestimmt die Agenda der Europäischen Union.

  5. EU-Politik geschieht im Elfenbeinturm und ist für die Bürger*innen intransparent: Auch dieser Vorwurf ist häufig zu hören, jedoch nur bedingt berechtigt. Sämtliche Plenardebatten, Ausschusssitzungen und Abstimmungen des Europäischen Parlaments sind öffentlich und können auch über das Internet live verfolgt werden. Jedes Dokument des Parlaments wird veröffentlicht und ist im Internet für alle Nutzer*innen kostenlos einsehbar. Durch die Europäische Bürgerinitiative können EU-Bürger*innen direkte Demokratie üben, indem sie Vorschläge und Aufträge an die EU-Kommission senden, um entsprechende Rechtsakte auf den Weg zu bringen.

Desinformation bzw. Fake News enttarnen

Sich als Verbraucher*in vor Desinformation bzw. Fake News zu schützen ist schwer, aber nicht unmöglich. Neben verschiedenen Websites und Tools, die sich dem Kampf gegen die Falschmeldungen verschrieben haben, gibt es auch die Möglichkeit, zweifelhafte Inhalte selbst einem kurzen Check zu unterziehen.

Das Impressum anschauen

In Deutschland haben alle Webseiten eine Impressumspflicht. Fehlt auf einer Seite das Impressum, ist dies oftmals bereits ein erstes Zeichen für mangelnde Seriosität. Denn dieses ist dazu da, den Leser*innen Auskunft über den oder die Urheber*in einer Nachricht zu geben. Falls bei einer Nachricht ein*e Autor*in angegeben ist, kann durch Recherche herausgefunden werden, welche Inhalte er oder sie noch publiziert hat.

Einen Gegencheck machen

Das Datum eines Artikels gibt Auskunft darüber, wann dieser veröffentlicht wurde. Der Titel eines Beitrags kann in eine Suchmaschine eingegeben und somit mit ähnlichen Inhalten verglichen werden. Falls kaum oder gar keine Quellen auffindbar sind und das Thema von anderen Medien nicht aufgegriffen wurde, sollte der Nachricht kritisch gegenüber getreten werden. Ferner sollten andere Artikel oder Inhalte der betroffenen Seite überprüft werden – insbesondere daraufhin, wie seriös sie erscheinen.

Die URL kontrollieren

Manchmal werden für Desinformationen Fake News die Logos und Designs bekannter bzw. vertrauenswürdiger Medienmarken verwendet. Um trotzdem nicht auf Falschmeldungen hereinzufallen, sollte man sich die aufgerufene Webadresse in der Browserzeile anschauen. Dabei kommt es auch auf Kleinigkeiten an: Oftmals gibt es in der URL nur geringe Unterschiede zur Original-Website, z.B. einen Bindestrich oder eine andere Endung (z.B. „.net“ statt „.de“).

In sozialen Netzwerken den bzw. die Absender*in kontrollieren

Bevor man ein Posting eines anderen Nutzers oder einer anderen Nutzerin auf Facebook, Twitter und Co. teilt, sollte man sich dessen Ursprung und somit das Profil der jeweiligen Person einmal genauer anschauen. Ist das Profil gerade erst erstellt worden und hat es kaum Freunde oder Follower*innen, kann es sich auch um einen sogenannten Troll handeln. Falls die Person bereits mehrere Beiträge gepostet hat, sollten diese auf ihre inhaltliche Konsistenz geprüft werden.

Fotos und Videos überprüfen

Oftmals werden für Falschmeldungen Bild- und Videomaterial aus dem Kontext gerissen oder entsprechend bearbeitet, um den Inhalt der Meldung visuell zu unterstützen. Eine Möglichkeit der Kontrolle bietet die genauere Betrachtung der abgebildeten Ereignisse: Autokennzeichen und Schrifttafeln können beispielsweise einen Hinweis auf den Ort der Aufnahme geben. Darüber hinaus bietet die Suchmaschine Google eine umgekehrte Bildersuche an, mit deren Hilfe nach dem Ursprung eines Bildes gesucht werden kann.

Webseiten für den Faktencheck

Es gibt mittlerweile zahlreiche deutsch- und englischsprachige Webseiten, welche für Nutzer*innen einen Faktencheck durchführen, über bereits aufgeklärte Desinformation bzw. Fake News informieren oder Tipps zum Umgang mit möglichen Falschmeldungen geben. Hier finden Sie eine Auswahl verschiedener Angebote:

Text: Isabel Bezzaoui

Bild: © Pixabay CC0