„Durchatmen in Frankreich“ – Chancen einer neuen Politik im Nachbarland (22.05.2017)

„Durchatmen in Frankreich“ – Chancen einer neuen Politik im Nachbarland (22.05.2017)

Wie geht es nach der Frankreichwahl mit Europa weiter? Welche politischen und wirtschaftlichen Folgen sind für das deutsch-französische Verhältnis und für die Zukunft der EU zu erwarten? Wie kann der deutsch-französische Motor tatsächlich anspringen? Diese und viele weitere Fragen zur Frankreichwahl wurden von Ursula Welter, Deutschlandradio, und Hervé-Marie Cotten, Priester aus Le Mans, in der Kommende Dortmund beantwortet.

20170522_180709Dr. Peter Klasvogt präsentiert die Titelseite von „Die Zeit“

Eröffnet und moderiert wurde die Veranstaltung von Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor der Kommende Dortmund. Klasvogt präsentierte zu Beginn des Abends die Titelseite der Wochenzeitung „Die Zeit“, die Macron als „Heiland“ zeigt, und stellte die Frage in den Raum, ob Macron ein Heilsbringer für Europa sei.

IMG_3458Hervé-Marie Cotten

Hervé-Marie Cotten, Wirtschaftswissenschaftler, Theologe, Priester und Pfarrer in Le Mans, ging in seinem Statement zur „Sozialen Stimmung und Lage in Frankreich“ auf diese Frage ein. Er analysierte die soziale Lage und die Probleme mit Arbeit und Arbeitslosigkeit in Frankreich, die politische Krise und die Herausforderungen für die neue Regierung unter Macron. Dabei betonte er: „Macron liebt Europa“ und dass Macrons Ziel eine stärkere Integration der Europäischen Union sei.

20170522_184416Ursula Welter

Die Leiterin der Abteilung Hintergrund im Deutschlandradio, Ursula Welter, erklärte in ihrem Statement „Zur politischen Entwicklung in Frankreich“, dass Frankreich seine Enttäuschung über die Osterweiterung der Europäischen Union Anfang der 2000er Jahre und den Maastricht-Vertrag bis heute nicht überwunden habe. Sie betonte daher, wie wichtig es sei, dass Macron in Brüssel erfolgreich dastehe, um bei seinen Landsleuten in Frankreich zu punkten. Nur so könne sich Europa ein bisschen französischer anfühlen. Macron habe sich zum Ziel gesetzt, Frankreich zu reformieren und die Enttäuschung über Europa auszulöschen, so Welter. Ihm komme zugute, dass seine Ausgangslage günstiger sei als die vieler anderer Präsidenten zuvor. Welter erklärte, dass Macron fest davon überzeugt sei, dass es an seiner Generation sei, Europa zu reformieren.

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Im Anschluss fand eine rege Diskussion mit dem Publikum statt, welches viele Fragen an die Referent*innen hatte. Diskutiert wurde über den vorherigen Präsidenten François Hollande, welcher ein „normaler Präsident“ sein wollte und mit einem kleinen Auto oder zu Fuß unterwegs gewesen war, aber dadurch dem Amt des Präsidenten die Würde genommen habe.

Ein weiteres Thema war der Besuch Macrons in Algerien, bei dem er die Kolonialzeit in Algerien ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ nannte. Welter bezeichnete den Vorfall als den einzigen Fehler Macrons im Wahlkampf. Cotten ergänzte, dass die Leute noch nicht so weit seien, die Fehler Frankreichs während des Kolonialismus zuzugeben. Bezüglich des neuen Präsidenten wurde außerdem diskutiert, ob das Thema Europa für ihn Leidenschaft oder Strategie sei. Welter erklärte, dass sie davon überzeugt sei, dass sich Macron aus Leidenschaft für Europa einsetze.

Beim Ausklang des Abends mit Häppchen und Getränken wurde zudem die Möglichkeit geboten, sich persönlich mit Ursula Welter und Hervé-Marie Cotten über die einzelnen Diskussionspunkte auszutauschen.

Text: Svenja Hennigfeld
Fotos: © Lena Borgstedt und Svenja Hennigfeld