NRW debattiert Europa 4.0 – Abschlussveranstaltung an der Universität Duisburg-Essen (17.01.2019)

NRW debattiert Europa 4.0 – Abschlussveranstaltung an der Universität Duisburg-Essen (17.01.2019)

„Man sieht schon wer laut ist, aber nicht, wer besser vorbereitet ist!“ Mit einer großen Fangemeinde reisten einige Debattierteams von den Universitäten Bochum, Düsseldorf, Köln, Münster und Wuppertal zur Abschlussveranstaltung von „NRW debattiert Europa“ am Donnerstag, den 17. Januar 2019, zum Gastgeber, der Universität Duisburg-Essen, an. Doch wie Professor Dr. Michael Kaeding, unter anderem Initiator der Veranstaltung und Leiter des Duisburger Debattierteams, kommentierte, sei es nur eine von vielen Strategien, das gegnerische Team durch energische Zwischenrufe aus dem Konzept zu bringen. Drei spannende Runden gab es zu bewältigen, bis am Ende das Siegerteam von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die diesjährige Trophäe überreicht bekam. Das Europe Direct Dortmund durfte dieses Jahr erneut in der Jury mitwirken. 

NRW debattiert Europa. Dieses Projekt wurde erstmals in den Jahren 2015/2016 vom Jean-Monnet-Lehrstuhl für Europäische Integration und Europapolitik der Universität Duisburg-Essen inszeniert. Bereits zum vierten Mal fand dieser Debattierwettbewerb, bei dem Bachelor- und Master-Studierende die Möglichkeit haben, das Europa der Zukunft zu diskutieren, statt. 2018 wurde bereits in Vorrunden an den teilnehmenden Universitäten selbst über europäische Themen diskutiert, um bei der Abschlussveranstaltung im Januar 2019 gut vorbereitet gegeneinander anzutreten. Als Ehrengast und Förderer war auch Nordrhein-Westfalens Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner anwesend, der als selbst betitelter „Europafan“ in seinem Grußwort darauf aufmerksam machte, dass der „Weg vom Krieg in den Frieden keine Einbahnstraße“ sei und, dass wir möglicherweise „eine Chance vertun, die wir kein zweites Mal bekommen“, wenn wir Skeptiker*innen und Populist*innen Europa auseinander dividieren lassen.

2019_01_17 NRW debattiert Europa

Stephan Holthoff-Pförtner, NRW-Minister für Europaangelegenheiten

Die Debattierrunden in Duisburg waren an den Stil des Wartburgformats angelehnt. Hier wird den zwei Teams einer Runde jeweils mittels Los die Pro- bzw. Kontra-Position zugeteilt. Aufgabe der drei Redner*innen pro Team ist es nun, nacheinander die Jury und das Publikum von ihrem Standpunkt zu überzeugen. Sieben Minuten stehen pro Redner*in zur Verfügung, wobei fünf Minuten der Redezeit für Fragen und Zwischenrufe durch das gegnerische Team und das Publikum geöffnet sind. Die erste und letzte Minute dürfen als „geschützte Redezeit“ nur durch kurze Zwischenrufe unterbrochen werden. Wer gewinnt, entscheidet am Ende die mehrköpfige Jury, in der auch die Leiterin des Europe Direct Dortmund, Lena Borgstedt, vertreten war. Bei der Beurteilung geht es zunächst um die Teambewertung, wo zwischen Strategie, Interaktion und Überzeugungskraft unterschieden wird. Zusätzlich werden noch alle Einzelredner*innen bewertet und hieraus der*die beste Redner*in der Runde bestimmt und nach äußerer Form, Inhalt, Stil und Struktur und Schlagfertigkeit bewertet.

2019_01_17 NRW debattiert Europa

 

Vorrunde: Sollten EU-Parlamentarier*innen ausschließlich transnational gewählt werden? 

Sechs Universitäten waren angereist, somit mussten insgesamt drei Runden absolviert werden, um das Siegerteam zu ermitteln. In der Vorrunde teilten sich die Teams auf drei Debatten auf und behandelten simultan dieselbe Frage: Sollten EU-Parlamentarier*innen ausschließlich transnational gewählt werden? Bereits bei dieser Frage wurden hitzig Argumente vorgetragen und die gegnerischen Teams sparten nicht mit Zwischenrufen. Auf der Contra-Seite bezog man sich verstärkt auf das möglichen Wachstum von populistischen und rechtsextremen Zusammenschlüssen auf europäischer Ebene und die Gefahr des Ungleichgewichts in der Ländergewichtung durch transnationale Listen. Die Pro-Seite wies andererseits darauf hin, endlich Moral und Werte der EU zu verwirklichen und durch transnationale Listen „Europa zu wagen“, um eine europäische Öffentlichkeit durch einen länderübergreifenden Wahlkampf mit europäischen statt nationalen Themen zu schaffen.

Halbfinale: Sollte das Europäische Parlament das komplette Budgetrecht erhalten?

In der zweiten Runde ging es erneut in drei parallelen Debatten um die Frage, ob das Europäische Parlament das alleinige Budgetrecht erhalten sollte Bei dieser spannenden Frage ging es den Pro-Seiten nun darum, Europa „erwachsen“ werden zu lassen, die Relevanz des Europäischen Parlaments durch das gesamte Budgetrecht zu stärken, den dadurch entstehenden Ausbau der Gewaltenteilung sowie die Möglichkeit eines Eurozonenbudgets und eines Finanzministers. Die Contra-Seite hingegen sah den Ausbau der Gewaltenteilung durch das Budgetrecht eher kritisch und stellte vielmehr die fehlende Ausgeglichenheit im Europäischen Parlament (one man – one vote) in den Vordergrund.

Finale: Sollte das Europäische Parlament die Europäische Kommission unabhängig vom Europäischen Rat wählen dürfen? 

In der finalen Runde konnten alle Teams und das zahlreich erschienene Publikum einer hitzigen Debatte zwischen den Teams der Universität Wuppertal und der Universität Düsseldorf beiwohnen. Die finale Frage lautete: „Sollte das Europäische Parlament die Europäische Kommission unabhängig vom Europäischen Rat wählen dürfen?“ Das Contra-Team konzentrierte sich darauf, die Praktikabilität des Vorgehens zu erfragen und stellte diese als unrealistisch dar. Zudem sprachen die Redner*innen die duale Legitimität durch gemeinsame Entscheidungen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats an. Die Pro-Seite hingegen plädierte für die Legitimität durch ein direkt und demokratisch gewähltes Europäisches Parlament und bemängelte, dass die Europäische Kommission für objektive Wahlen des Europäischen Rates zu national beeinflusst sei. Überzeugen konnte hier das Team der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, welches damit den NRW-debattiert-Wanderpokal mit nach Hause nehmen durfte.

2018_01_17 NRW debattiert Europa

Das Gewinner Team aus Düsseldorf

Warum über Europa debattieren?

Ersichtlich war in diesem Jahr bei „NRW debattiert Europa“, dass es nicht nur wichtig ist, kurz vor der Europawahl mit jungen Menschen über die EU zu sprechen, sondern auch, dass viele von den potentiellen Erstwähler*innen Interesse und Bedarf an der Diskussion haben. Die Bereitschaft des Publikums zu Fragen und Einwürfen lag demnach nicht nur an dem Wettbewerbscharakter der Veranstaltung, sondern auch an den aktuellen und brisanten Themen, welche von den jungen Erwachsenen begeistert aufgegriffen wurden. So gelang es der Veranstaltung vor einer breiten Zuschauerzahl, die Wichtigkeit der kommenden Wahlen zu unterstreichen und wurde dem Wunsch von Stephan Holthoff-Pförtner gerecht, „die Bedeutung der Europawahl und die Gründe, wählen zu gehen“, zu thematisieren.

Text: Anita Lehrke, Auslandsgesellschaft.de e.V.

Fotos: © Lukas Georg, Essen und Lena Borgstedt, Auslandsgesellschaft.de e.V.