ERASMUS – Was es ist und wen es anspricht

ERASMUS – Was es ist und wen es anspricht

Erasmus wird 1987 als Austauschprogramm für Hochschulstudierende ins Leben gerufen. Erstmals nehmen 3200 Menschen aus elf europäischen Ländern an dem Programm teil. ERASMUS wird in den kommenden Jahren schnell zum Synonym für europäische Verständigung und Austausch von jungen Erwachsenen. Doch wie entstand das europaweite Programm? Und für welche Zielgruppen ist es heutzutage gedacht?

Der Weg zum ERASMUS-Programm

Das spätere ERASMUS-Programm hatte bereits seit Ende der 60er Jahre einige Vorläufer. Rückblende: Die Parlamentarische Versammlung spricht sich 1969 in einer Entschließung für die “Europäisierung” der Universitäten aus. 1971 wird schließlich das Europäische Hochschulinstitut in Florenz gegründet. Im Jahr 1976 wird das erste EG- „Aktionsprogramm im Bildungsbereich“ formell verabschiedet. Es folgt dem gleichen Prinzip wie später auch das ERASMUS-Programm. In dem darauffolgenden Jahr läuft das System von „Zuschüssen der Gemeinschaft zur Förderung Gemeinsamer Studienprogramme“ von verschiedenen Hochschulen in verschiedenen Mitgliedstaaten an. In den Jahren 1979/80 wird die Maßnahme „integriertes Auslandsstudium“ (IAS) in Deutschland eingeführt. 1985 gibt der Europäische Rat einen Auftrag zur Prüfung eines interuniversitären, europäischen Austausch- und Studienprogramms frei. Gleichzeitig soll ein europäisches System für die gemeinschaftsweite Anrechnung von Studienleistungen (“European Academic Credit Transfer System”) eingeführt werden. Das folgende Maßnahmenpaket der EU-Kommission: Bis zum Jahr 1986 werden an über 500 Hochschulen, in allen Mitgliedsländern, insgesamt 586 “Gemeinsame Studienprogramme” (Joint Study Programmes – JSP) ins Leben gerufen.

Von ERASMUS zu ERASMUS+

Im Januar desselben Jahres legt die EU-Kommission schließlich ihren Vorschlag für ein neues Aktionsprogramm zur Förderung der studentischen Mobilität vor. Das Programm soll den Namen ERASMUS tragen – ein Hinweis auf den Philosophen Erasmus von Rotterdam, sowie auch ein Akronym für “EuRopean Community Action Scheme for the Mobility of University Students”. Im Juni 1986 bekräftigt der Europäische Rat den Stellenwert des Programms und der Bildungsministerrat einigt sich über dessen Ziele, Struktur und Namen. Nach langen Verhandlungen der Kommission und Mitgliedstaaten über die zu wählende Rechtsgrundlage und die finanzielle Ausstattung wird am 14. Mai 1987 der Kompromiss, die doppelte Rechtsgrundlage und die Verankerung der Finanzierung der Studierendenmobilität, im Rat der Bildungsminister gefunden. Nach der formellen Beschlussfassung im Rat am 15. Juni und der Veröffentlichung im Amtsblatt zehn Tage später tritt ERASMUS zum 1. Juli 1987 endlich in Kraft. Von 2014 bis 2020 wird das neue EU-Programm – ERASMUS+ – gegründet. Im Fokus: allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Ab 2021 (bis voraussichtlich 2027) entsteht eine neue Programmgeneration von ERASMUS+, die noch mehr Zielgruppen ansprechen soll.

ERASMUS für Auszubildende

Auslandsaufenthalte nur für Studis? Das ist spätestens seit ERASMUS+ vorbei! Mit dem Programm besteht die Möglichkeiten für Auszubildende, Berufsschüler:innen, Lehrkräfte und Ausbilder:innen in der Berufsbildung  bei Betrieben im europäischen Ausland Erfahrungen zu sammeln. Die Ziele dabei: Europäische Werte in allen Berufen zu stärken, unsere Gesellschaft inklusiver und grüner zu gestalten und gut auf eine digitale Zukunft vorzubereiten. Den Weg in das Programm erhält man durch zwei Optionen: Erstens die Akkreditierung und zweitens die Kurzzeitprojekte. Die Akkreditierung ist wie eine dauerhafte Mitgliedschaft und bietet den Einrichtungen der Berufsausbildung langfristige und sichere Möglichkeiten, Auslandsaufenthalte für Auszubildende, Berufsschüler:innen und das Bildungspersonal einzuplanen. Die Kurzzeitprojekte sind kleinere Mobilitätprojekte, die auf eine kurze Dauer angelegt sind. Dies ist eine gute Option für Einrichtungen die erste Erfahrungen mit dem Programm ERASMUS+ sammeln oder nur eine begrenzte Anzahl von Auslandsaufenthalten organisieren möchten. Außerdem gibt es auch Partnerschaften zur europäischen Zusammenarbeit. Zum einen kleinere Partnerschaften für kleine und eher unerfahrene Einrichtungen. Zum anderen Kooperationspartnerschaften für größere Projekte in der Berufsbildung.

ERASMUS für Studierende

Hauptzielgruppe für ERASMUS-Austausche sind weiterhin Studierende. Doch die ERASMUS für Hochschulbildung soll nicht nur Studierende ansprechen. Viel mehr betrifft das Programm Hochschulen, Hochschulpersonal und Partner aus dem nicht akademischen Bereich. Darüber hinaus wird auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Betrieben, Einrichtungen der Erwachsenenbildung und Jugendverbänden unterstützt. Die formulierten Ziele lauten: die Modernisierung, die Internationalisierung und die qualitative Verbesserung des Hochschulbereichs in Europa voranzubringen. Die internationalen Kompetenzen, sowie die persönliche Entwicklung und die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden zu stärken. Die Attraktivität der EU als Studien- und Wissenschaftsstandort zu steigern und zur nachhaltigen Entwicklung der Hochschulbildung in Drittländern beizutragen. Außerdem sollen bildungsübergreifende Brücken geschlagen werden und die Zusammenarbeit, von verschiedenen Bildungssektoren, soll intensiviert werden. In der Zukunft sollen drei Leitaktionen im Fokus stehen. Zum einen die Mobilität von Einzelpersonen, damit die unterschiedlichen Bedürfnisse der Zielgruppen noch stärker berücksichtigt werden können. Dann sollen Partnerschaften von Organisationen, Einrichtungen und Initiativen – zur Zusammenarbeit und Förderung von Innovation und zum Austausch von bewährten Verfahren – ins Leben gerufen bzw. gefördert und unterstützt werden. Und als dritte Leitaktion steht die Politikunterstützung im Vordergrund. Durch geförderte Projekte wird eine Intensivierung des politischen Dialogs angestrebt. Es sollen auch in Zukunft viele unterschiedliche Akteure des Bildungsbereiches einbezogen werden, damit der Diskurs noch diverser und konstruktiver wird.

Und in Zukunft?

Die wahrscheinlich auffälligste Änderung des ERASMUS-Programms ist die Entwicklung zu ERASMUS+. Die neue Programmgeneration erstreckt sich über den Zeitraum von 2021 bis 2027. Es verfügt über eine engere Verbindung zum Arbeitsmarkt als noch sein Vorgängerprogramm. Außerdem wird ein breites Spektrum an Förderangeboten in den Bereichen Hochschulbildung, berufliche Aus- und Weiterbildung, Schulbildung, Erwachsenenbildung, Jugend und Sport geboten. Immer mehr Fördermaßnahmen und Kooperationsprojekte können unterstützt werden und das Angebot wird ständig erweitert. Ein starker Fokus liegt auf den Themen der sozialen Inklusion, dem grünen und digitalen Wandel, sowie auf der Förderung der Teilhabe junger Menschen am demokratischen Leben. Das bedeutet konkret: mehr Inklusion für benachteiligte Menschen, ein besserer Zugang für kleinere Organisationen und mehr Investitionen in zukunftsorientierte Studienbereiche (zum Beispiel Klimawandel, digitale Kompetenzen, saubere Energie, künstliche Intelligenz). Die Projekte tragen zur Qualitätsverbesserung bei und fördern die Innovation. Außerdem sollen sie bei der Förderung der sozialen Integration, der Verbesserung des interkulturellen Verständnisses und der Entwicklung des Zugehörigkeitsgefühls zu einer Gemeinschaft beitragen. Dadurch, dass eine immer größere Zielgruppe angesprochen wird, können mehr Menschen von dem ERASMUS-Programm profitieren und die Botschaft weitertragen.

Wenn Euer Interesse nun geweckt wurde und auch Ihr ein Teil des ERASMUS-Programms sein wollt, dann schaut doch gerne unter folgenden Links vorbei:

Infos für Studierende & Azubis:

https://www.erasmusplus.de/

Zu der offiziellen Seite des neuen ERASMUS-Programms kommt Ihr hier:

https://eu.daad.de/de/

 

Text: Vivien Schymainda