EU Förderung vor Ort – WoodQAI: Künstliche Intelligenz für den Wald

EU Förderung vor Ort – WoodQAI: Künstliche Intelligenz für den Wald

Im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) werden in Nordrhein-Westfalen Projekte gefördert, die Forschung und Praxis zusammenbringen. Eines davon ist WoodQAI – ein Vorhaben, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Holzqualität mithilfe Künstlicher Intelligenz besser bestimmen lässt. Ziel ist es, Privatwaldbesitzenden und Betrieben ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie einschätzen können, was ihr Holz eigentlich wert ist. Entstanden ist die Idee auf Initiative des Projektpartners Forstify, einer Plattform für den Holzhandel. Wir haben mit Mitgliedern des Projektteams über die Hintergründe gesprochen.

© RIF Institut für Forschung und Transfer e.V.

Steckbrief

Name des Projekts: WoodQAI
Konsortialführung: RIF Institut für Forschung und Transfer e.V.

Projektpartner: Forstify GmbH, SNAP GmbH.

Ziel des Projekts: Entwicklung einer KI-gestützten Anwendung zur Einschätzung von Holzqualität, um Holzhandel transparenter und effizienter zu machen

Förderprogramm: Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Assoziierte Partner: Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Holzbiologie & Holzprodukte der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie; Forstunternehmen Weichs GmbH; Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Zentrum für Wald und Holzwirtschaft, Forstliches Bildungszentrum (FBZ)

Projektmaßnahmen: Entwicklung einer App, die Holzstämme über Fotos analysiert und Qualitätsmerkmale wie Fäule oder Astigkeit erkennt. Training der KI-Modelle mit umfangreichem Bildmaterial aus der Praxis (zunächst Buche, später weitere Baumarten). Offline-Funktionalität für den Einsatz im Wald. Aufbau eines sicheren Datenraums für Austausch und Nachtraining. Entwicklung einer Citizen-Science-App mit Gamification-Elementen zur Datensammlung und Wissensvermittlung

Interview

Worum geht es in Ihrem Projekt?
Das Projekt ist im Prinzip eine Idee, die von unserem Partner Forstify an uns herangetragen wurde. Die sind im Holzhandel aktiv und betreiben eine Plattform, über die man Holz anbieten und handeln kann. Das Problem: Gerade Privatwaldbesitzende wissen oft gar nicht genau, was ihr Holz wert ist. Sie wissen vielleicht, dass es gerade gewachsen ist oder welche Art es ist, aber nicht, welche Qualitätsstufe es hat und genau das beeinflusst den Preis. Mit WoodQAI soll sich das ändern. Wenn man Waldbesitzenden ein Werkzeug an die Hand gibt, mit dem sie selbst eine gute Einschätzung bekommen, dann sind sie in einer besseren Position beim Verkauf. Gleichzeitig profitieren auch die Abnehmer, etwa Sägewerke, weil sie durch KI-gestützte Bilderkennung einen schnellen Überblick bekommen, ohne jeden Stamm einzeln prüfen zu müssen.

An wen richtet sich das Projekt?
Zielgruppen sind eigentlich alle entlang der Kette. Privatwaldbesitzende, Forstbetriebe und die Holzabnehmerseite, also vor allem Sägewerke. Gerade kleinere Waldbesitzer oder Leute, die neu in dem Bereich sind, sollen unterstützt werden. Und natürlich auch die, die das Holz weiterverarbeiten.

Was ist Ihre Rolle im Projekt?
Wir sind Konsortialführer. Das heißt, wir leiten das Vorhaben, koordinieren die Partner und kümmern uns um das Berichtswesen. Inhaltlich sind wir für den wissenschaftlich-technischen Teil zuständig. Statt nur mit echten Fotos zu üben, lassen wir den Computer weitere, realistisch wirkende Bilder erzeugen – so, als hätte man viel mehr Material. Dann messen wir, ob die KI dadurch bessere Entscheidungen trifft. Ein weiterer Punkt ist die geplante Citizen-Science-App. Wir haben eine ganze Menge Bildmaterial, aber bei KI gilt: Je mehr Trainingsdaten, desto besser. Deshalb wollen wir Bürgerinnen und Bürger einbinden, über eine App, die Spaß macht und gleichzeitig Wissen vermittelt. Wer also beim Spaziergang Baumstämme fotografiert, hilft beim Training der KI und lernt dabei etwas über Baumarten oder Holzmerkmale.

Was macht das Projekt besonders?
KI ist ja mittlerweile in aller Munde, aber in der Forstwirtschaft ist das noch Neuland. Mit WoodQAI haben wir endlich einen konkreten Anwendungsfall. Und wenn wir zeigen können, dass das funktioniert, dann kann das viele andere inspirieren. Uns war wichtig, dass die Anwendung wirklich praktikabel ist. Viele Waldbesitzende sind älter und haben keine High-End-Geräte. Die App soll deshalb auch auf älteren Smartphones laufen und offline funktionieren. Man hält einfach die Kamera auf den Stamm, drückt einen Knopf und bekommt sofort ein Ergebnis. Das ist der Unterschied: KI liefert hier direkt spürbaren Mehrwert.

© Forstify

Wie kam die EU-Förderung zustande?
EFRE ist für uns genau der richtige Rahmen, weil dort Forschung und Unternehmen zusammengebracht werden. Wir haben schon mehrere EFRE-Projekte gemacht – das passt einfach zu unserer anwendungsorientierten Arbeit. Der Bewerbungsprozess ist mittlerweile wirklich angenehm geworden: gute Portale, sinnvolle Unterlagen, klare Struktur. Das ist im Vergleich zu früher ein echter Fortschritt.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Die Forstwirtschaft ist im Grunde der Erfinder der Nachhaltigkeit. Der Gedanke, nur so viel Holz zu nutzen, wie nachwächst, ist ja dort entstanden. Gerade deshalb wollen wir mit WoodQAI auch dazu beitragen, dass Laubholz, insbesondere Buche, wieder stärker stofflich genutzt wird, also für Möbel, Parkett oder andere hochwertige Anwendungen und nicht überwiegend verbrannt wird.