Pressefreiheit in Europa - 3 Fragen an Alexander Völkel

Pressefreiheit in Europa – 3 Fragen an Alexander Völkel

Weiter geht es mit unseren Vorab-Beiträgen zu den diesjährigen Europa-Projektwochen über die Pressefreiheit in Europa. Alexander Völkel ist ehrenamtlicher Redaktionsleiter des Dortmunder Nachrichtenportals nordstadtblogger.de. Der ehemalige Redakteur und Redaktionsleiter der Westfälischen Rundschau gründete den Blog im Jahr 2013 gemeinsam mit weiteren erfahrenen Journalistinnen und Journalisten um aus und über die Nordstadt sowie über lokale und regionale Themen zu berichten. Im Interview spricht er unter anderem über die Zunahme der Bedrohungen gegen Journalistinnen und Journalisten, vor allem im Zuge der Querdenker-Bewegung, und über die Förderung von gemeinnützigem Journalismus um den Stellenwert der Berichterstattung in der Gesellschaft zu stärken.

In der weltweiten Rangliste der Medienfreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ ist Deutschland weiter abgerutscht und liegt nun nur noch auf Platz 16 – hinter vielen anderen europäischen Ländern. Beobachten Sie diese Entwicklung auch? In welche Richtung hat sich die Situation der Pressefreiheit hier vor Ort in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Problematik hat sich verschärft – auf verschiedenen Ebenen. So ist die „Auskunftsbereitschaft“ von Ämtern, Behörden und Parteien rückläufig. Die Pressearbeit wird reduziert, stattdessen möchte man lieber selbst direkt mit den Zielgruppen via Social Media kommunizieren. Das ist dann auch leichter, weil man nicht mit unangenehmen Fragen der Presse konfrontiert wird. Zudem nehmen die Bedrohungen zu – digital wie analog. Das kann auf Demonstrationen sein, aber auch in der digitalen Welt. Zudem gibt es zunehmend die Strategie, Medien durch (angedrohte) Klagen mundtot zu machen. 

Wodurch wird die Freiheit der Presse hierzulande am meisten bedroht?

Durch die Querdenker und Verschwörungsideologen – sie sind eine reale Gefahr auf jeder Kundgebung. Die Bedrohungen, Angriffe und Beleidigungen haben zugenommen.

Was können wir tun, um den Stellenwert der freien Berichterstattung in der Gesellschaft zu stärken?

Wir brauchen wieder ein besseres Verständnis für die Rollen von Medien als vierte Gewalt. Doch dazu braucht es unabhängige Medien. Die Förderung von gemeinnützigem Journalismus wäre eine Möglichkeit, die Situation zu verbessern.

Alexander Völkel war am 14.06. bei unserer Podiumsdiskussion Pressefreiheit in Europa – und vor der eigenen Haustür? zu Gast.