Schülerworkshop „Willkommenskultur in Dortmund“ (23.06.2016)

Schülerworkshop „Willkommenskultur in Dortmund“ (23.06.2016)

Der abschließende Schülerworkshop der Reihe „(Neue) Heimat Europa? Die EU-Flüchtlingspolitik im Fokus“ fand am Donnerstag, den 23. Juni 2016, statt. In diesem setzten sich die SchülerInnen mit dem Konzept der Willkommenskultur auseinander. Der Referent Ümithan Yagmur erarbeitete mit den Teilnehmenden, was man unter dem Begriff versteht und zeigte in einem Gespräch mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern auf, wie Willkommenskultur in Dortmund und Umgebung gelebt wird.

Die SchülerInnen wurden zu Beginn des Workshops gebeten, drei zentrale Begriffe, die sie mit den Kategorien „Heimat“ und „Zuhause“ verbinden, aufzuschreiben. Sie wurden im Anschluss gesammelt und in der Runde besprochen. Meist genannt waren dabei ‚Familie‘, ‚Freunde‘ und ‚das Gefühl, dazu zu gehören‘.
Wenn sie nun ihr gewohntes Umfeld verlassen müssten, welche der Begriffe könnten die SchülerInnen zurücklassen und welche würden sie um jeden Preis mitnehmen wollen? Da jeweils nur einer der drei möglichen Begriffe mitgenommen werden durfte, diskutierte die Gruppe gemeinsam, was es bedeutet, zentrale Aspekte der eigenen Heimat und somit auch der eigenen Identität zurücklassen zu müssen und welche Möglichkeiten es gibt, diese in der neuen Heimat wiedererlangen bzw. neu aufbauen zu können.

Hat man die eigene Heimat zurückgelassen, wird man mit der Fremde konfrontiert. Um dieses Gefühl besser verstehen zu können, wurde mit den SchülerInnen ein Spiel durchgeführt:
Sie wurden in vier gleich große Gruppen eingeteilt, die jeweils eine andere Farbe zugeschrieben bekamen. Jedes Gruppenmitglied erhielt einen Klebepunkt mit ‚seiner‘ Farbe auf die Stirn geklebt. Jedoch wusste keiner der SchülerInnen, welche Farben im Spiel sind, welchen Farbpunkt sie auf der Stirn tragen und wie viele Gruppen es überhaupt gibt. Zudem wussten sie nicht, dass eine einzelne Person unter ihnen eine eigene, fünfte Farbe zugeteilt bekommen hatte.
Ziel des Spiels war es nun, ausschließlich mittels non-verbaler Kommunikation mit den eigenen Gruppenmitgliedern zusammenzukommen.
Im Anschluss wurde reflektiert, wie schwer es gewesen war, sich zu finden und wie sich die Einzelperson gefühlt hat, die nirgendwo Anschluss finden konnte, obwohl sie die ganze Zeit auf der Suche war.

Abgeschlossen wurde der praktische Teil des Workshops mit einer gemeinsamen Diskussion darum, was eine echte Willkommenskultur ausmacht und wie diese gelebt werden kann. Hierbei wurden die im Vorfeld gesammelten Erfahrungen aufgegriffen.

Es folgte eine Gesprächsrunde mit ehrenamtlichen FlüchtlingshelferInnen, die den SchülerInnen von ihren Erfahrungen mit Geflüchteten berichteten. Neben dem VMDO und der Caritas Dortmund beteiligten sich Vertreter des Train of Hope Dortmund und des Flüchtlingshilfenetzwerks Bochum Südwest an der Unterhaltung. Generell gebe es laut der Anwesenden überraschenderweise sehr viele Menschen, die sich freiwillig engagieren und geflüchtete Menschen unterstützen wollen.

„Ich hätte mir vor ein paar Jahren niemals vorgestellt, dass ich so etwas drei Mal pro Woche machen werde.“, berichtete ein ehrenamtliches Mitglied der Caritas. Er sei über einen Freund an die Flüchtlingshilfe gekommen. Dieser fragte im Bekanntenkreis nach Unterstützung für Behördengänge und wurde schnell fündig. Aus anfänglichen Treffen mit den Geflohenen wurde schnell eine organisierte Hilfe. So konnte unter anderem ein W-LAN-Netz in einer Flüchtlingsunterkunft der Caritas eingerichtet werden, um den dortigen Bewohnern eine Kommunikationsmöglichkeit mit ihren Angehörigen in der Heimat zu ermöglichen.

Wie anstrengend diese Arbeit manchmal werden kann, wusste die Vertreterin des Train of Hope zu berichten: „Wir haben teilweise 48 Stunden dort gelebt.“, sagte sie in Bezug auf die spontane Hilfe am Dortmunder Hauptbahnhof, als die ersten Züge mit geflüchteten Menschen im September 2015 in unserer Stadt eintrafen.

Auf die Frage, welche Qualifikationen nötig sind, um sich engagieren zu können, gab es eine ganz klare Antwort von den HelferInnen: „So etwas kann jeder machen, ohne irgendwelche Vorkenntnisse. Ganz egal, wer hilft und was man tut, jede Hilfe ist gut!“, so Vertreter des VMDO.

Der Referent:
Ümithan Yağmur studiert an der Universität Siegen Politikwissenschaft und Soziologie. Seit seiner Jugend ist er in verschiedenen Projekten rund um die Themen Europa, Jugend und interkulturelle Begegnung auf kommunaler und europäischer Ebene engagiert. Nebenbei arbeitet er als Projektkoordinator und Jugendbetreuer in der Kinder- und Jugendeinrichtung KiVi des VMDO. Seit der ersten Stunde der Flüchtlingszuwanderung im September 2015 ist Ümithan Yağmur in der Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich tätig. Er ist auch ein aktives Mitglied des AK Flüchtlinge Lünen und des Train of Hope Dortmund.

 

Unsere Kooperationspartner:

 

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Logo Caritas Dortmund image descriptionTrain of Hope

 

 

 

flüchtlingshilfenetzwerk bochum südwest

 

 

Text: Dominic Melang
Fotos: Europe Direct Dortmund/Gerrit Tiefenthal